Reisetipps für Brüssel, gefunden auf fudder.de! Lesenswert!

Veröffentlicht auf von Bembelo

Reisetipps für Brüssel

Brüssel bietet so einiges. Pommes, die außen kross und innen knusprig sind. Straßen, die seit dreißig Jahren nie erneuert wurden. Und Menschen denen man niemals anmerkt, dass ihr Land gar keine Regierung hat. Es ist eine gelassene Stadt mit südlichem Flair und nördlicher Architektur. Mitten in Europa. fudder-Mitarbeiter Fabian

 
Belgien hat nun seit über einem Jahr keine Regierung. Das ist Weltrekord, sogar noch vor dem Irak. Die Hauptstadt Brüssel ist gleichzeitig der Grund, warum es keine Bewegung in der politischen Landschaft Belgiens gibt und der Ort, wo man am wenigsten davon mitbekommt. Während eine Teilung des Landes daran scheitert, dass die Flamen aus dem Norden und die Wallonen aus dem Süden sich darum streiten wer die Hauptstadtregion bekommt, geht in Brüssel alles seinen gewohnten Gang.

Übersehene Sehenswürdigkeiten

Brüssel gilt weithin als hässliche Stadt, ist aber viel schöner als sein Ruf. Natürlich gibt es unansehnliche Ecken, allerdings findet man diese genauso in Paris, Berlin oder Freiburg. Schlendert man durch die Gassen der Altstadt rund um den Grand Place, das historische Zentrum der Stadt, entdeckt man viele schön verzierte Häuserfassaden, die flämische und französische Einflüsse in ihrem Baustil vereinen. Besonders achten sollte man auf die zahlreichen Comic-Malereien an den Außenfassaden mancher Gebäude, die einzigartig sind in Brüssel. So biegt man um eine Ecke und sieht sich einem lebensgroßen Tintin gegenüber, der mit gehetzter Miene über eine Feuerleiter flieht.




Das Europaviertel überzeugt dagegen weniger durch seine Architektur als durch seine Funktionalität. Was auch gut ist, denn schließlich soll hier gearbeitet und nicht geträumt werden. Dennoch sollte man die 10minütige Fahrt mit der Metro aus der Stadtmitte auf sich nehmen, um einen Blick auf das Europäische Parlament zu werfen, wo bis zu 60 Prozent unserer Gesetze gemacht werden.

Besucherführungen finden wochentags um 10 und 15 Uhr statt, außer Freitags, da entfällt der Nachmittagsrundgang. Wer sich vorher im Tagungskalender des Parlaments schlau macht, kann auch an einer Plenarsitzung teilnehmen und erleben wie 751 Abgeordnete auf bis zu 23 Amtssprachen debattieren.



Macht man sich nach dem Ausflug in die Welt der Politik wieder auf den Weg in die Innenstadt sollte man besser die Metro nehmen, denn die Bürgersteige in Brüssel sind Stolperfallen. Entweder denkt sich die Stadt, dass es keinen Sinn macht die Gehwege zu erneuern, weil sie ohnehin wieder kaputt gehen oder sie amüsiert sich köstlich über Männer in Anzügen die mit ihren geputzten Schuhen alle paar Meter unerwartet in ein Loch treten oder über eine Kante stolpern. Das U-Bahn Netz der städtischen Verkehrsbetriebe STIB ist dagegen gut ausgebaut und preiswert, eine Zehnerkarte kostet beispielsweise 12,50 Euro.

Mit der Metro kann man dann auch gleich weiter fahren zu einem anderen, oft übersehenen Highlight, den Königlichen Gewächshäuser in Laeken, einem Vorort im Nordosten Brüssels. Jedes Jahr im Mai öffnen die Gärten und Gewächshäuser seiner Majestät des belgischen Königs Albert für drei Wochen ihre Tore und Besucher können für den fast schon symbolischen Unkostenbeitrag von 2,50 Euro eine Fülle von Blumen besichtigen.

Das nahe gelegene Atomium kann bei dieser Gelegenheit auch besichtigt werden, dafür alleine den Weg aus der Innenstadt hinaus auf sich zunehmen lohnt sich jedoch nicht. Hinein und hinauf gehen sollte man wirklich nicht, denn der Eintritt ist teuer und die Aussicht ist mau.



Kaffepause

Ideal für eine kleine Pause oder ein ausladendes Frühstück ist Le pain quotidien. Zwar gibt es inzwischen von Düsseldorf bis New York Filialen der belgischen Kette, doch das allererste Frühstücks-Restaurant befindet sich noch immer in Brüssel, in der Rue Antoine Dansaert, direkt bei der Börse. Morgens gibt es eine ausladende Brotauswahl von Croissants bis Vollkornbrot. Um möglichst viele Sorten zu probieren, wählt man am besten Le Panier du Boulanger. Dazu gibt es verschiedene leckere Brotaufstriche, die sich die Gäste an der Table Commune, der großen Gemeinschaftstafel in der Mitte des Raumes, freundlich hin und herreichen. Nachmittags probiert man zu seinem Kaffee am besten einen der vielen Kuchen aus dem Schaufenster.

 

Magengrummeln

Die Belgier haben die Fritten erfunden, daran lassen sie selbst zumindest nicht den geringsten Zweifel. Zwar heißen die frittierten Kartoffelstäbchen jenseits des Atlantiks „French Fries“, aber für dieses Missverständnis gibt es zwei Erklärungsversuche: Im ersten Weltkrieg sollen amerikanische Soldaten auf französische Kampfgefährten gestoßen sein, welche sie auf die Spezialität aufmerksam machten. Doch waren die Einheimischen nicht aus Frankreich, sondern aus Belgien, was die Amerikaner nicht bemerkten. Eine andere Erklärung führt die amerikanische Bezeichnung auf die Zubereitungsart der Fritten zurück, wobei Kartoffeln bekanntlich, in Stifte geschnitten werden, was man im Englischen mit dem Verb „to french“ beschreibt.

Ob eine der beiden Erklärungen wahr ist, weiß kein Mensch mehr, interessiert aber auch keinen. Denn die Fritten in Belgien schmecken fantastisch. Das liegt in erster Linie an der einzigartigen, belgischen Zubereitungsart. Zunächst werden nur ausgewählte und besonders geeignete Kartoffelsorten verwendet. Die Fritten werden dann zwei mal in Rinderfett frittiert: Einmal bei 120 bis 140 Grad, wobei sie innen zart werden und einmal bei 160 bis 180 Grad, dabei werden sie außen braun und knusprig.

 
Die besten Fritten in Brüssel (und damit in Belgien und damit auf der ganzen Welt) findet man angeblich bei Maison Antoine am Place Jourdan. Die Frittenbude existiert bereits seit über 60 Jahren und schon so mancher Promi soll sich hier gestärkt haben. Zwar steht man in der Regel eine halbe Stunde an, aber die Wartezeit lohnt sich. Am besten setzt man sich dann mit seinen Fritten und der hauseigenen Spezialsoße Tartare Maison in eine der Kneipen am Platz.  Diese heißen die Frittenfeinschmecker ausdrücklich willkommen und so kann man ganz entspannt eines der zahlreichen leckeren Biere zu seinen Pommes genießen.

Ist man dagegen in der Innenstadt unterwegs, sollte man nicht an der Friterie Tabora vorbeigehen, die sich direkt hinter der Börse befindet. Die kleine unscheinbare Pommesbude ziert zwar keine meterlange Besucherschlange, aber dort sind die Fritten mindestens genauso gut wie bei Maison Antoine und an manchen Tagen sogar besser.

Wer sich und seinen Körper mit weniger fettigen Speisen beglücken will, ist bei EXKi richtig. Die belgische Bio-Fast-Food-Kette bietet gesunde und leckere Salate, Sandwichs und Nudelgerichte zum Mitnehmen oder im Restaurant Essen. Ideal für eine kleine (vegetarische) Mahlzeit zwischendurch.

Fine Art

Neben Bier, Pralinen und Fritten ist Belgien ebenfalls für so manchen Helden unserer Kindheit berühmt. Egal ob Tintin (Tim und Struppi) oder Lucky Luke, viele bekannte Comics und ihre Zeichner kommen aus Belgien. Im Centre Belge de la Bande Dessinée, dem belgischen Comicmuseum, kann man diese und noch viele weitere Zeichnungen entdecken und ihre Entstehung und Entwicklung nachverfolgen. Natürlich besteht im Museum, wie auch im angeschlossenen Shop, die Möglichkeit in zahllosen Comics zu stöbern und zu lesen, bei einer unerschöpflichen Bandbreite von den Schlümpfen bis zu Kafkas Verwandlung.

 
Sobald im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen auf die Stadt fallen verzückt Brüssel seine Bewohner mit einer schier unerschöpflichen Fülle an Konzerten und Festivals. Beinahe jedes Wochenende ist irgendwo was los und vom Kunsfestivalsdesarts, über die Fête de l’environnement bis zum Jazz-Marathon ist für jeden Geschmack etwas dabei. Den Höhepunkt der Festival-Saison bildet die Fête de la Musique, die jedes Jahr am Tag der Sommersonnenwende mit einem großen, kostenlosen Open-Air-Konzert auf dem Place des Palais gefeiert wird.


Die beste Bar der Stadt

Brüssel hat eindeutig zu viele Bars um die eine Bar herauszugreifen, so viel ist sicher. Getrunken wird natürlich meistens Bier. Im Delirium gibt es angeblich mehr als 2000 Biersorten, woran man schnell merkt, dass der Name hier Programm ist, denn wer an einem Abend alle durchprobiert, findet sich mit Sicherheit in selbigem wieder. Hartgesottene Biertrinker bestellen ein Orval, Rochegort 10 oder Westmalle Triple, die alle um die 10 Prozent Alkohol mitbringen. Wer es etwas leichter mag, trinkt ein leckeres Hoegaarden Blanche oder eines der zahlreichen Biere mit Fruchtzusatz, wie sie in Belgien sehr beliebt sind. Dabei sei aber angemerkt, dass das Kriek genannte Kirschbier noch trinkbar ist, man bei Bieren mit Mango-, Passionsfrucht- oder Kokosflavour allerdings schnell an die Grenzen des Geschmacks stößt.

Kommt einem das Bier zu den Ohren heraus oder erträgt man die amerikanischen Rucksacktouristen im Delirium nicht länger empfiehlt sich der Weg über die Gasse in die Floris Bar. Hier führt man den Abend dann am besten mit einer der zahlreichen Absinth-, Whiskey- oder Wodkasorten fort und auch der Mojito ist hier lecker und preiswert.

Zugegeben, diese beiden Bars sollte man in Brüssel schon besucht haben, aber ein gemütlicher Geheimtipp sind sie mit ihrem Junggesellen-Abschieds-Flair nicht. Angenehmer ist dagegen das Viertel Saint Géry mit vielen kleinen Bars (wo natürlich ebenfalls eines der verschiedenen belgischen Biere getrunken wird) rund um das Café des Halles.

Nachtschwärmer

Über die zur Bar umgebaute Markthalle hinaus, besitzt das Café des Halles auch einen Dancefloor im Untergeschoss. Im Gewölbekeller legen verschiedene DJs Elektrosounds auf, während oben angenehme Lounge-Musik aus den Lautsprechern tönt. Wenige Schritte von der ehemaligen Markthalle entfernt feiert man dagegen auf höherem Niveau.

Das Klientel ist zwar ebenso bodenständig, doch die Tanzfläche mit angeschlossener Dachterrasse in der Beursschouwburg befindet sich in der fünften Etage. Hier treten viele kleine Bands und DJs umsonst auf, oft begleitet von Filminstallationen oder eingebettet in ein Festival. Wenn man vor dem Gebäude steht vermutet man hier keinen Club, also am besten einfach durch die Lobby reinlatschen und die Treppen bis zum letzten Stockwerk erklimmen.


Nachtlager

Das Hotel Aristote überzeugt durch seine ideale Lage zwischen dem Stadtzentrum und dem Gare de Midi, wo alle internationalen ICEs und Thalys-Züge aus Deutschland ankommen. Besonders wenn man das Zimmer ohne Frühstück bucht, was man sollte, denn dafür gibt es besserer Alternativen, ist es preiswert und bietet alles was man für einen Wochenendtrip braucht. Ist der Gast etwas mehr Luxus gewöhnt und bereit ein wenig mehr zu zahlen, ist er im Sandton Brussels Centre genau richtig. In direkter Nachbarschaft zur Cathédrale des saints Michel et Gudule, ist das Hotel der perfekte Ausgangspunkt um die Innenstadt zu erkunden. 


Für alle, die länger in Brüssel bleiben, weil sie einen Job oder ein Praktikum antreten, gibt es den E-Mail-Verteiler der deutschsprachigen Praktikanten und Referendare in Brüssel. Hier werden täglich Zimmer, Wohnungen und Mitfahrgelegenheiten angeboten, Fragen zu allen erdenklichen Themen beantwortet und Möbel verkauft oder verschenkt.

Shop 'Til You Drop

Als klassische Shoppingmeilen haben sich in Brüssel die Rue Neuve für den kleinen Geldbeutel und der Boulevard Waterloo für das praller gefüllte Portemonnaie etabliert. Allerdings bieten die Shops hier über Zara und Gucci hinaus wenig, was man nicht auch in Freiburg findet. Wer dennoch auf das vollkommene Klamotten-Shopping-Erlebnis steht, dem empfiehlt sich die 40 minütige Fahrt nach Antwerpen, was im Vergleich zu Brüssel weit besser zum Shoppen geeignet ist. Dort sind die Geschäfte zahlreich und die Straßen breit und verkehrsberuhigt.

In der Hauptstadt lohnt sich zum Einkaufen dagegen der Weg ins alternative Szenequartier Les Marolles, in der Nähe des Gare de Midi. Etwas abseits der gängigen Touristenpfade fühlt man sich hier ein bisschen wie im Pariser Quartier Marais. Man findet man zahlreiche Antiquitäten-, Schmuck- und Klamottengeschäfte, mit vielen kleinen und großen Schätzen, das Meiste davon ist Second Hand. Damit hat das Viertel einen ganz eigenen, verschlafenen Charme, als die von Touristen überlaufene Innenstadt.

Wer dennoch das Gedränge nicht scheut, sollte sich am Sonntagvormittag auf den großen Wochenmarkt am Gare de Midi wagen. Vom Shampoo bis zur Wassermelone bekommt man hier alles für den täglichen Gebrauch und das meist viel günstiger als im Supermarkt, besonders wenn man um 13 Uhr kommt, kurz bevor die Händler ihre Stände abbauen und ihre Waren wieder einpacken.

Da Brüssel ebenso für seine hervorragende Schokolade wie für seine Fritten bekannt ist, führt kein Weg am Place du Grand Sablon vorbei. Hier sind von Leonidas über Godiva bis Neuhaus alle großen belgischen Schokoladenhersteller ansässig. Deren Produkte kann man aber auch am Bahnhof kaufen und deswegen geht man besser zu Wittamer oder Marcolini. Da die Schokolade hier auch ihren Preis hat sollte man sich bewusst sein, dass man sich etwas ganz besonderes gönnt. Beide Geschäfte bieten auch Trinkschokolade zum Mitnehmen an und in beiden Läden schmeckt sie ausgezeichnet.


Meet The Locals

Brüssel ist eine unglaublich vielseitige, multikulturelle und offene Stadt. Daher begegnet  man ganz unterschiedlichen Menschen an verschiedenen Orten. Die jungen Einheimischen aus der kreativen Szene trifft man meistens schon um fünf Uhr nachmittags in den Bars in Saint Géry, wo sie ihr erstes Feierabend Bier in der Sonne genießen. Auf dem großen Markt am Bahnhof tummeln sich sonntags die Brüsseler Familien aus allen möglichen Ländern, um ihrer Wocheneinkäufe zu erledigen. 


Ältere Herrschaften stöbern dagegen gerne über den Vieux Marché am Place du jeu de balle im Quartier Marolles, einen Flohmarkt, der auch für jeden Besucher sehenswert ist. Da die Händler jeden Tag aufs Neue ihre Schätze auf dem Pflaster ausbreiten, sollte man möglichst nicht sonntags gehen, wenn die Touristen herbeiströmen und die Preise steigen.

Für Romantiker

Für Brüsseler wie für Zugezogene gibt es kaum etwas Schöneres als an einem Sonntag im Parc Cinquantenaire vor der Kulisse des mächtigen Triumphbogens auf der Wiese in der Sonne zu liegen. Der Park ist ideal für ein Picknick zu Zweit und anschließend etwas sportlicher Betätigung beim Frisbee-Spielen.

Der Tippgeber

Nach dem Studium der Internationalen Beziehungen in der Schweiz und Frankreich zog es Fabian Fechner (23) für ein halbes Jahr nach Brüssel. Dort absolvierte er mehrere Praktika bei EU- nahen Institutionen und bei Deutsche Welle TV. Ab September geht's für den Master in European Studies nach London.



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