Was kommt nach Uderzo ?

Veröffentlicht auf von Bembelo

Ein Artikel von Thomas Steiner, erschienen in der Badischen Zeitung vom 23.08.2011. 

 

Comics

Uderzos Nachfolger: Asterix und Obelix bekommen Pflegeeltern

Der große Zeichner Albert Uderzo hat seine Nachfolger als Texter und Zeichner für die berühmteste europäische Comicserie benannt.

  1. Foto: Verlag

 

Der deutsche Asterix-Verlag Ehapa will sich noch nicht dazu äußern. Man sei ja nur Lizenznehmer, sagt die Presseabteilung, und vom Verlag aus Paris gebe es noch keine Ankündigung. Dabei ist die Nachricht längst in der Welt. Dem französischen Comic-Magazin Casematte hat Albert Uderzo in einem Interview gesagt, dass er "Die Abenteuer von Asterix, dem Gallier", die bekannteste Comicserie Europas, dem Zeichner Frédérik Mébarki und dem Texter Jean-Ives Ferri in die Hände legen will. Und auch mit seinem Tod soll Asterix nach dem Willen des 84-Jährigen nicht sterben.

Asterix ohne den genialen Texter René Goscinny, damit mussten Millionen Leser seit dessen fatalem Herzinfarkt 1977 leben. Aber nun auch noch ohne den Zeichner? Der kleine pfiffige Krieger Asterix und sein keinesfalls dicker Freund Obelix, der Zauberkoch Miraculix und der Gesangsvirtuose Troubadix – ihnen und den anderen aus dem kleinen gallischen Dorf, das sich den Römern widersetzt, hat Uderzo Gestalt und Leben gegeben.

Will man sie nun wirklich in den Händen von Pflegevätern wissen? Wäre es nicht besser gewesen, Uderzo hätte es wie Hergé gemacht, der Schöpfer von "Tim und Struppi", eine Fortsetzung seiner Serrie nach seinem Tod testamentarisch untersagt? Uderzo hatte das schon einmal angekündigt, in seiner Autobiographie vor zwei Jahren. Doch dann hat er es sich wieder anders überlegt.


In der französischen Comic-Kultur ist es nicht unüblich, dass Serien von ihren Erfindern weitergegeben werden und sie überleben. André Franquin hat "Spirou und Fantasio" 1968 schon knapp 20 Jahre vor seinem Tod weitergegeben, weil er sich auf "Gaston" konzentrieren wollte. Und Lucky Luke, der Cowboy, zieht neun Jahre nach dem Tod des Erfinders Morris immer noch schneller als sein Schatten. Dass auch die Erben immer wieder gut mit den Figuren umzugehen wissen, zeigen die jüngst in Deutschland erschienenen Bände "Panik im Atlantik", in dem Texter Lewis Trondheim und Zeichner Fabrice Parme den Pagen Spirou und den Reporter Fantasio auf eine aufregende Kreuzfahrtreise auch unter Wasser schicken, und "Lucky Luke gegen Pinkerton", in dem der Zeichner Achdé und die Texter Daniel Pennac und Tonino Benacuista den einsamen Cowboy gegen den paranoiden Detektiv antreten lassen.

Das Problem ist: Nicht immer erreichen die Nachfolger wie hier die Qualität und den Charme des Originals. Allerdings muss man auch sagen: Asterix hat diese Qualität und diesen Charme längst von alleine verloren. Seit Albert Uderzo selbst die Abenteuer textet, haben sie kaum noch Witz und Raffinesse. Im Gegenteil: Sein Band "Gallien in Gefahr" von 2005 war ein Machwerk zur Verteidigung des europäisch-amerikanischen Comics gegen den feindlichen japanischen Manga. Die Bösen waren wie Insekten anmutende Asiaten: Bildervokabular aus dem Rassistenfundus.

Da kann es nur besser werden, wenn jemand anders neue Abenteuer erfindet. Vielleicht hat Jean-Ives Ferri das Zeug dazu. Auf Deutsch ist bisher nur ein Album von ihm erschienen, "Die Rückkehr aufs Land", Band 1, in dem zwei Pariser Stadtneurotiker in ein Dorf umziehen. Casematte hat Uderzo erzählt, dass er Ferris Album "De Gaulle à la plage" sehr möge, in dem der legendäre französische General liebevoll parodiert wird. Dass der neue Asterix im Übrigen nicht viel anders aussehen wird als der alte, dafür steht der neue Zeichner: Frédérik Mébarki ist bereits seit den 90er Jahren zeichnerischer Assistent des an Rheuma in den Händen erkrankten Uderzo. Vielleicht wird Asterix also den Comic-Lesern doch nochmal Freude bereiten.

 

 

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