Zum 70. Geburtstag von Claire Bretècher

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Die Welt ergibt sich

Zum Siebzigsten der Comiczeichnerin Claire Bretécher

Die beste Soziologin Frankreichs, hat Roland Barthes einmal gesagt über die Comiczeichnerin Claire Bretécher - als der Express sie im vergangenen Jahr fragte, was sie von dieser Einschätzung halte, war die Antwort so schnoddrig, als käme sie von einer ihrer Figuren: so ein Quatsch. Was nicht verwunderlich wäre - denn, das behauptet Claire Bretécher zumindest, sie erzählt in all ihren Comic-Bänden letztlich immer von sich selbst.

Claire Bretécher, am 17. April 1940 in Nantes geboren, hat in den Sechzigern angefangen mit der Zeichnerei, erst hat sie beim legendären Asterix-Autor René Goscinny gearbeitet, später beim belgischen Comicmagazin Tintin, aus dem auch "Tim und Struppi" stammen. Anfangs hat sie oft im Team gearbeitet, aber das, was sie machte, war ganz neu - und sie konnte es nur allein durchziehen. Ausgerechnet "Cellulite" hat sie ihre erste Heldin getauft, aber so richtig berühmt hat sie dann die Reihe "Die Frustrierten" gemacht, die von 1973 an im Nouvel Observateur erschienen ist und bald als Buch - Barthes" Lob bezog sich auf diese Reihe, in der allerhand Figuren, meist solche, die sich für intellektuell halten, sich sehr komisch am Alltag abarbeiten. Ganz minimalistische Schwarzweißzeichnungen machte sie damals. Im Zentrum ihrer Geschichten stehen meistens Frauen - "meine männlichen Figuren funktionieren nicht, ich verstehe einfach ihre Mechanik nicht". So ganz stimmt das natürlich nicht - gerade ihre Comics über Beziehungsstress, eines ihrer immer wiederkehrenden Themen, waren auch deswegen so populär, weil sie beide Seiten so schön beobachten und bissig porträtieren kann. Den Beziehungsstress gab es in den "Frustrierten" ebenso wie bei "Agrippina", der vollendeten Bretécher-Figur, ein ziemlich selbstsüchtiges Weib mit einem rundlichen Hintern. Inzwischen zeichnet Claire Bretécher nur noch wenig, aber wenn, dann zeichnet sie Agrippina.

Eine militante Feministin aber wollte Claire Bretécher - für die damalige Zeit ziemlich locker erzogen - keinesfalls werden, sie habe, sagt sie, einfach versucht, damit durchzukommen, dass sie Unterschiede gar nicht wahrnimmt. So sind auch die Comics, sie erzählen von liebenswert lächerlichen Figuren, einen Reim muss man sich auf die Geschichten schon selbst machen. Keine feministische Mission - aber Feministin sein, sagt Bretécher, "will jede Frau, die über einen einigermaßen gesunden Egoismus verfügt". So wie es eben auch Agrippina macht. Sie geht einfach durch die Welt, als würde sie ihr gehören, und meistens ist die Welt so perplex, dass sie sich klaglos ergibt.

sus

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Veröffentlicht in Sammelsurium vom Allerfeinsten

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