Unter dem Hakenkreuz - Rezension

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Zwei Bände, ein Thema - Großartige Comicverarbeitung einer tragischen Liebesgeschichte unterm Hakenkreuz

 

Berlin (Weltexpress) - Sie haben zehn Jahre lang recherchiert, will man dem Verlag glauben, um die ersten drei Bände ihrer Comic-Reihe „Unter dem Hakenkreuz“ zu schaffen. Und geschaffen haben sie ein wahres Kunstwerk! Der Autor Philippe Richelle stellt in einer einfachen und doch sehr subtilen Geschichte einen ganz normalen Jugendlichen vor, einen jungen Mann, der gerade sein Abitur beendet, durch eine deutsche Stadt streunt und verliebt ist. Martin hat Herz und Augen an eine neue Nachbarin verloren, die dunkelhaarige Katharina, Tochter des Arztes Braun. Soweit, so normal – nur die Zeit ist es nicht, denn das Ganze spielt „Unter dem Hakenkreuz“.

Zunächst verwirrt, dass die Geschichte des ersten Bandes 1942 im Süden Frankreichs einsetzt. Martin besucht eine junge Frau in ihrer behaglichen Villa… Bald erfahren wir im Rückblick, wie die beiden sich kennenlernten, vor gut zehn Jahren in einer rheinischen Kleinstadt. Das ist das bezaubernde an dieser Story, es handelt sich um ganz gewöhnliche Menschen, einen jungen Mann mit Parolen polterndem Vater und schweigender Mutter, draufgängerischem Freund, der sich unablässig auf Mädchenjagd befindet – und den empfindsamen bücherlesenden Haupthelden selbst.

Jan-Michel Beuriot hat mit melancholischer Farbgebung alles in braun-ocker-gelbes Licht getaucht, seine spitznasigen Figuren wandeln zart und traurig an graubraunen Fassaden vorbei, tauchen unter beigen Rauchschleiern durch. Wenige sichere Striche genügen, um den flächigen Gesichtern Gefühle einzuhauchen, eine zornig gekrümmte Augenbraue, schmaler Mund, bald leidet und fühlt der Leser mit seinem blonden Helden mit…

Die Darsteller des Comics wirken authentisch, ihre Gefühle sind heutig, oder ewig menschlich. Auch 1932 fuhren Verliebte Riesenrad und lümmelten auf Wiesen herum. Nur dass heute keine SA-Männer vorbeischlendern, die den kleinen Hund deiner Angebeteten abstechen, weil sie bemerken, dass diese eine Jüdin ist. Allmählich kippt die Geschichte ins Böse – und das ist genial, denn der Leser fragt sich ständig, wie hätte ich mich verhalten. Wo ist die Grenze, wie weit geht das Verständnis?

Martin und Katharina werden daran gehindert, ein Paar zu sein. Schon der erste Band des Comics endet dramatisch und so spannend, dass man sofort nach dem 2. Teil greift. Dieser setzt im Dezember 1938 in Paris ein. Martin lebt unter der Bohème, will eigentlich seine Doktorarbeit schreiben, wird aber zunehmend in die Kreise der deutschen Emigranten integriert. Henry, der arbeitslose Schauspieler und dessen Freundin Maria leben Martin das bittere Los der Deutschen im Exil vor. Und Katharina taucht wieder auf, die sich jetzt Cathérine nennt. Wie sie sich über Wasser hält, ob es mit Martin diesmal klappt und was aus den Pariser Freunden wird, sollte sich jeder selbst erschauen! Wir warten gespannt auf den dritten und alle weiteren der auf 10 Bände angelegten Serie und empfehlen: Pflichtlektüre für den Deutsch und Kunstunterrichtunterricht ab 9. Klasse! Danach Aufsätze schreiben und zeichnen - Text und Illustrationen gleichwertig behandeln! Prädikat: besonders wertvoll

Beuriot & Richelle, „Unter dem Hakenkreuz“, 1. Band: „Der letzte Frühling“, 86 Seiten, Verlag Schreiber&Leser, 2009, 22,80 €, 2. Band: „Ein Sommer in Paris“, 56 Seiten, Verlag Schreiber&Leser, 2009, 18,80 € Von Anne Hahn

 

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