Sympathischer Artikel in der Augsburger Allgemeinen

Veröffentlicht auf von Bembelo

Mit Superhelden gegen Fremdenhass

23.09.2010 07:27 Uhr

 

von benjamin Rost

Innenstadt Zumindest der Größe nach ist der Comicbuchladen „Timeline“ in der Hermanstraße eigentlich kein Lädle. Denn mit drei Stockwerken und über 130 Quadratmetern ist es nach Aussage des Besitzers das größte Comicfachgeschäft Schwabens. Inhaber Thiery Zeller hat fast alle 6000 Comics im Sortiment selbst gelesen und sein Geschäft mit Wandmalereien seiner Lieblingshelden verziert.

Der 44-jährige Comichändler ist gebürtiger Franzose und kommt aus Straßburg. „Vielleicht habe ich deshalb so ein Faible für Comics“, sagt er und lacht. Denn Frankreich gilt als die Geburtsstätte der Zeichentrickkultur. „Tintin, Asterix und Lucky Luke kommen von dort her“, so Zeller.

Er selbst habe schon als kleines Kind lieber Comics als Schulbücher gewälzt. „Ich habe nachts kaum geschlafen, weil ich unter der Bettdecke gelesen habe“, erzählt er. Zwar habe er nach der Schule ein paar Semester Chemie in Karlsruhe studiert, doch die Leidenschaft für die Comics war stärker: „Ich habe während des Studiums in einem Comicgeschäft gejobbt, danach wollte ich unbedingt selbst eines aufmachen“, sagt der Verkäufer.

1991 kam die Gelegenheit: „In Augsburg fehlte so ein Laden“, erzählt der Händler. In der Altstadt stand ein kleiner Verkaufsraum leer. Zeller griff zu, zog von Karlsruhe nach Augsburg und eröffnete den ersten Comicbuchladen der Stadt. Doch vor vier Jahren wurde ihm das zu klein. 2006 eröffnete er deshalb im Zentrum sein aktuelles Geschäft „Timeline“.

Im „Timeline“ in eine andere Zeit versetzt

„Ich wusste genau, wie alles aussehen sollte“, sagt der Besitzer. Vor allem die Farbe habe ihm anfangs gefehlt. Doch Thiery Zeller ist ein begabter Maler. „Nach und nach haben ich und meine Mitarbeiter meine Lieblingscomichelden an die Wand gepinselt“, sagt er.

Jetzt fühlt man sich im „Timeline“, übersetzt Zeitachse, wirklich wie ein bisschen in eine andere Zeit versetzt: Eine lebensgroße Batmanfigur schafft den Eindruck einer Science-Fiction-Welt.

Und den Keller hat Thiery Zeller mit einem gemalten Comic-Höhlengewölbe verziert.

Seinen Kunden gefällt es. „Die Atmosphäre ist toll!“, sagt die 17-jährige Stammkundin Tatjana Labner. Und der 35-jährige Florian Klotz ergänzt: „Ich komme her, weil es hier die meisten Comics und die beste Beratung gibt.“ Die Mehrheit von Thiery Zellers Kunden ist erwachsen. „Comics sind schon lange nicht mehr nur etwas für Kinder“, sagt dieser.

Auch der Ladenbesitzer selbst mag eher die sozialkritischen Geschichten. Fremdenhass, Armut und Konkurrenzdruck sind präsente Themen in den Büchern. „Comics lesen bildet!“, sagt Zeller, lächelt und stellt ein paar Neuerscheinungen ins Regal.

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