Spirou - Unterschiede in alter und neuer Auflage

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Spirou und Fantasio #16 QRN ruft Bretzelburg

OT: #16 QRN sur Bretzelburg

 

Verglichen wurden:
Alte Auflagen
Neuauflage

Spirou und Fantasio ist eine der in Deutschland bekanntesten franko-belgischen Comicserien. Von daher müssen über sie nicht viele Worte verloren werden.

Der Band "QRN ruft Bretzelburg" wird von Vielen als der Beste aus der Feder von Franquin angesehen. In ihm entwickelt sich schrittweise eine Geschichte, die nur so vor politischen Anspielungen, beißendem Humor und genialen Überteibungen wimmelt. Das Land Bretzelburg ist ist eine hochinteressante Parodie auf eine Mischung von Kaiserreich, Drittem Reich und DDR. Um die Spannung zu erhalten, wird hier nicht mehr verraten.

Allerdings, obwohl der Band so genial ist, hat er eine lange Leidensgeschichte hinter sich.

Schon bei der Entstehung lief Nichts nach Plan und Franquin veränderte das Konzept total nach einigen Seiten. Zusätzlich erlitt er nach ca. der Hälfte eine schwere Schreibblockade, die ein Jahr dauerte. Als der Band dann endlich fertig war, verstümmelte ihn der Verlag Dupuis in der Albumsfassung um die Seitenzahlbegrenzung einzuhalten, indem sie einfach 4 1/2 Seiten herauskürzten (Dazu später mehr in einem eigenen Bericht). Erst in den 90ern sollte Frankreich eine Komplettausgabe bekommen.

In Deutschland passierte gar noch schlimmeres. Rolf Kauka, seines Zeichens stockreaktionärer rechtsaußen-Comicverleger, hatte die Veröffentlichungsrechte im Jahr 1969 erworben und alles nach eingenem Gusto zurechtgehackt. So gab es plötzlich die deutschen Staaten Bonhalla und Berlin-O, das Geschehen wurde in das Jahr 1975 verlegt und alles wurde so zurechtgetrimmt, dass Bretzelburg auf einmal eine tiefrote DDR war. Zudem schrumpfte alles auf Taschenbuchformat und Kauka schmiß muter Bilder raus, die ihm nicht paßten.

Nach dem Rechte-Entzug dauerte es bis 1987, bevor eine korrekt übersetzte Version beim Carlsen Verlag erschien, die scheinbar komplett war. Aber nur scheinbar, denn eine Kürzung war noch immer enthalten...

 

Fehlender Streifen

In den alten Auflagen von Carlsen fehlte immer ein Streifen, was zudem einen Kontinuitätsfehler auslöste. Man sieht noch wie Fantasio auf Seite 35 gegen seine Zellentür hämmert und laut nach Schuhen verlangt. Später sieht man ihn auf Seite 43 in der Zelle, und merkwürdigerweise liegen Schuhe in der Zelle, die er aber nicht trägt.

Die Antwort liegt darin, dass ein Streifen fehlt. In ihm hat Dr. Kilikil der Tür geöffnet und ist scheinbar nur zu gerne bereit, Fantasio Schuhe zu geben. Allerdings ist das eine neue Foltermethode, dann Fantasio erhält statt Größe 41 nur 37 und wird gezwungen, Sport im Gefängnishof zu machen.

Der Verlust der Szene ist nicht dem Carlsen Verlag anzulasten, sie fehlte, als sie aus Frankreich die Druckvorlagen bekamen (trotz der Forderung, dass die Vorlage komplett sein solle). Der Fehler wurde erst Jahre später bemerkt. Da Carlsen aber offenkundig keine Lust hatte, 33 Seiten umzustellen, aber dennoch Vollständigkeit bieten wollte, wurde die fehlende Szene in den Erläuterungen der Neuauflage von 2003 nachgereicht.

 



Veröffentlicht in Sammelsurium vom Allerfeinsten

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