Sind die Peanuts evangelisch ?

Veröffentlicht auf von Bembelo

Nachdem ich gerade kurz zuvor den Artikel aus dem Bistum Osnabrück in meinem Blog untergebracht hatte, fiel mir soeben der Artikel aus dem Evangelischen Sonntagsblatt für Bayern in die Hände (resp. die Augen ).

 

Pechvogel als Held

Vor 60 Jahren traten die »Peanuts« mit ihren philosophischen Alltagsbeobachtungen in die Comic-Welt

 
 

»Es ist völlig unnötig zu bellen, wenn man eigentlich gar nichts zu sagen hat.« Dieser wahrhaft philosophische Satz stammt von dem kleinen Comic-Beagle Snoopy. Der Hund ist neben Charlie Brown, Lucy, Linus, Schröder, Sally und Marcie eine der Hauptfiguren in der Kinderbande »Peanuts«, die vor 60 Jahren das Licht der Comic-Welt erblickte.

 
»Die Zeiger dieser Uhr stehen immer auf halb drei. Aber um halb drei ist sie so gut wie jede andere Uhr auf der Welt«: Snoopy und Woodstock von den »Peanuts«.
Foto: sob
   »Die Zeiger dieser Uhr stehen immer auf halb drei. Aber um halb drei ist sie so gut wie jede andere Uhr auf der Welt«: Snoopy und Woodstock von den »Peanuts«.

        

Der erste Strip erschien am 2. Oktober 1950 in zunächst sieben US-amerikanischen Tageszeitungen. Seit dem Tod von Zeichner Charles M. Schulz im Jahr 2000 darf die Serie nicht fortgeführt werden.

Die Charaktere haben Kultstatus erreicht: der ewige Verlierer Charlie Brown mit einem einzigen kleinen Haar auf dem runden Kopf, die zickige Lucy oder Linus mit seinem Schnuckeltuch, der sich schon immer gerne intellektuell gegeben hat. Abgeklärt erläutert er einmal der genervten Lucy, dass sein Seufzen sich mit der Bibel begründen lasse: »Wir wissen ja nicht, wie es sich gehört zu beten. Da tritt der Geist selbst für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern«, sagt er und bezieht sich auf das achte Kapitel des Römerbriefs.

Der Erfinder, Zeichner und Texter der »Peanuts«, Charles M. Schulz (1922-2000), kam in Minnesota im Mittleren Westen der USA zur Welt. Sein Vater hatte deutsche Vorfahren und war wie Charlie Browns Vater Friseur. Abends und sonntags las er seine Zeitung - vor allem Sport und die Comics, die auch den kleinen Charles faszinierten. Comic-Zeichner sei immer sein Traumberuf gewesen, sagte Schulz Jahrzehnte später. Er absolvierte nach der Highschool einen Fernkurs im komischen Zeichnen.

Dennoch meldete er sich während des Zweiten Weltkriegs zur Armee. Nach dem Ende des Kriegs fand er als Lutheraner Arbeit in einem katholischen Verlagshaus und schrieb Sprechblasen-Texte für ein frommes Comic-Heft.

Philosoph auf dem Hundehüttendach

Damit war am 2. Oktober 1950 Schluss, als Schulz die ersten Zeichnungen seines »Li'l Folks« (Kleines Volk) veröffentlichte. Später bekamen sie den Serientitel »Peanuts« (Erdnüsse oder Kleinkram). »Kindischer Kleinkram, aber ungemein unterhaltend«, urteilte Marcel Feige in »Das kleine Comic-Lexikon«. Die Welt der Kinder ist von Erwachsenen und der Außenwelt nahezu unberührt und spiegelt doch viele Facetten des Erwachsenen-Lebens. Da ist die freche Lucy mit dem Leitmotto »Wenn alle meiner Meinung wären, hätten alle recht«. Da ist der musikalisch hoch talentierte Schröder, bei dessen Kinderpiano die schwarzen Tasten nicht angeschlagen werden können. Es gibt die spröde Marcie und natürlich den winzigen gelben Vogel Woodstock, quasi ein Widerpart von Snoopy. Der wiederum liebt nichts so sehr, wie auf dem Dach seiner rot gestrichenen Hundehütte zu liegen, nachzudenken und sich in alle möglichen Berufe hineinzuversetzen. Mal ist er Anwalt, ganz oft Schriftsteller, selten Soldat und häufig Supermarktkassierer.

Charlie Brown ist der Held der »Peanuts«, gerade weil er der geborene Pechvogel ist. Er trainiert die vermutlich schlechteste Baseballmannschaft der Welt, traut sich nicht, dem rothaarigen Mädchen aus der Parallelklasse zu gestehen, dass er sich nichts mehr wünscht, als das Pausenbrot mit ihr zusammen zu essen. Und dann plagt ihn auch noch Lucy, die ihm für ihre angeblichen therapeutischen Tipps jedes Mal zehn Cent abknöpft und seine Geständnisse und Sorgen sofort an die übrigen »Peanuts« weiterverrät.

Und trotzdem ist Charlie Brown laut Schulz »kein Loser«, sondern ein Junge voller Hoffnung und auch ein Träumer, zumindest ein Tagträumer. Und er soll - sagte einst sein Schöpfer Schulz - viele Ähnlichkeiten mit ihm selbst haben.

Typisch eine Szene, die auch im Jubiläumsband »Das große Peanuts-Buch« (Carlsen Verlag) zu finden ist: Da zeigt Charlie Brown der lispelnden Peppermint Patty seine neue Uhr. Auf ihre Frage, ob die denn auch geht, antwortet Charlie: »Nicht wirklich. Die Zeiger stehen immer auf halb drei. Aber um halb drei ist sie so gut wie jede andere Uhr auf der Welt.«

50 lange Jahre zeichnete und textete Charles M. Schulz seine »Peanuts«-Episoden. Sieben Tage in der Woche, auch in seinen Ferien. Zuletzt verdiente er damit eine Million US-Dollar pro Monat, heißt es in einer Biografie. Die Geschichten wurden von 2600 Zeitungen in 75 Ländern der Welt gedruckt, hinzu kamen Bildbände und Zeichentrickfilme. Die Peanuts haben Freunde in aller Welt.

Davon war Charlie Brown zeit seines Comic-Lebens weit entfernt. In einem Strip von 1954 stehen Lucy und Charlie an ihrer Klage-Mauer, und Charlie sagt: »Ich wünschte, jemand würde zu mir kommen und sagen: Charlie Brown, ich bin dein Freund.« Darauf schaut Lucy ihn an und meint: »Warum wünschst du dir nicht gleich Flügel?«


 

 

Andreas Rehnolt

 
     

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