Ralf König Preisträger des Rosa-Courage-Preises

Veröffentlicht auf von journal-de-tournesol.over-blog.de

„Den Buntstift in Wunden gelegt“

rei Osnabrück.

Gestern Abend nahm Ralf König den Rosa-Courage-Preis im Osnabrücker Rathaus entgegen. Der Preis des Gay in May Festivals wurde zum 19. Mal vergeben.

 

Gestern Abend nahm Ralf König (Mitte) den Rosa-Courage-Preis von Matthias Reisinger (links) vom Gay-in-May-Festival-Team und OB Pistorius entgegen. Foto: Klaus Lindemann
Gestern Abend nahm Ralf König (Mitte) den Rosa-Courage-Preis von Matthias Reisinger (links) vom Gay-in-May-Festival-Team und OB Pistorius entgegen. Foto: Klaus Lindemann

Ralf König muss Luft holen. Während er durchatmet und erstaunt in die voll besetzten Stuhlreihen im Friedenssaal schaut, dauert der Applaus an. König bekommt den Rosa-Courage-Preis, weil er mit seinen Comics dazu beigetragen hat, dass Homosexualität als selbstverständlicher gilt als früher.

„Ich wollte, meine Mutter wäre hier“, sagt er, als er sich für seine Dankesrede hinters Mikrofon begeben hat. Die habe Ende der 70er, als er mit dem Comiczeichnen anfing, gesagt: „Mal doch so was wie Asterix.“ Gut, dass er diesen Rat nicht befolgt hat.

In seiner Rede schlug der bekannteste deutsche Comiczeichner ernste Töne an und ging auf seine religionskritischen Cartoons ein. Nicht seine Zeichnungen seien die Provokation, sondern die Tatsache, dass Homosexualität der katholischen Kirche als Sünde gelte.

Damit war er beim Thema des diesjährigen Gay in May Festivals: „Homophobie ist heilbar.“ Das Motto griff auch Oberbürgermeister Boris Pistorius in seinem Grußwort für die Stadt auf. Der Titel zeige, „dass die Lage nicht ganz aussichtslos ist“. Der Umgang mit dem Thema sei heute „entspannt“. Doch immer noch gebe es diskriminierende Tendenzen. Ein Seismograf sei der Sport, wo schwulen Fußballern geraten werde, sich nicht zu outen. „Stehen Sie zu sich, denn das ist gut so“, forderte der OB alle Schwulen und Lesben auf.

Auch Hans Hengelein, Schwulenreferent des niedersächsischen Sozialministeriums, ging auf die Homophobie ein. Noch bis 1990 habe Homosexualität der WHO als psychische Krankheit gegolten. Hengeleins Lob für König: „Was wären meine 26 schwulen Berufsjahre ohne seine Comics?“

Detlef Grumbach, Verleger des Männerschwarmverlages, würdigte in seiner Laudatio das Werk des frischgebackenen Preisträgers. Königs Comics zeichne ihre Schamlosigkeit aus, die die Wächter der Tugend auf den Plan gerufen habe. Doch König lege „seinen Buntstift in die Wunden“ von Sexualität und Liebe. Und damit könnten sich auch Heterosexuelle identifizieren, die seine Comics über schwule Paare in Massen lesen würden.

Für Unterhaltung sorgten auch die Schauspieler Julia Köhn und Laurenz Leky vom Theater Osnabrück, die mit feiner Ironie Schlager und Popsongs zum Besten gaben.

Veröffentlicht in Neuigkeiten aus aller Welt

Kommentiere diesen Post