Nochmal Tim und ARTE

Veröffentlicht auf von Bembelo

Auf Reisen mit Tim und Struppi

Getriebener Globetrotter

Wie ein Held sieht er nicht gerade aus. Keine Peitsche, kein breitkrempiger Hut und keine markanten Gesichtszüge à la Indiana Jones. Vielleicht ist der blasse Schlacks, dem sein Schöpfer Hergé den Namen Tintin gab und der deutschen Comicfans durch den Reihentitel "Tim und Struppi" geläufig ist, aber auch gerade deshalb so beliebt. Man kann sich halt prima identifizieren mit dem rasenden Reporter, der den Himalaya bereiste, das Amazonas-Gebiet, den Orient, ja sogar den Mond, den er 1950, geschlagene 19 Jahre vor einem gewissen Neil Armstrong, betrat. ARTE ist in Zusammenarbeit mit der Hergé-Stiftung Moulinsart den Spuren des berühmten Kosmopoliten gefolgt und wagte dabei einen faszinierenden Spagat zwischen Comicwelt und Wirklichkeit. Die fünfteilige Dokumentarreihe "Auf Reisen mit Tim und Struppi" läuft beim Kultursender nun eine Werkwoche lang, immer 19.30 Uhr.

 

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Die Comic-Abenteuer von "Tim und Struppi" haben sich bislang gut 230 Millionen Mal verkauft und wurden in mehr als 80 Sprachen übersetzt.
Bild von: ARTE / Hergé / Moulinsart 2010

Jede Folge stellt die Handlungsorte einer Comic-Ausgabe vor. Das klingt zunächst ein wenig banal, bedeutet aber alleine schon im Fall der Auftaktvorlage "Die Zigarren des Pharaos" einen Husarenritt durch den halben Orient. Von einer "Abfolge burlesker Episoden" ist im Film die Rede und von "undurchsichtigen Handlungssträngen". Wie und warum der getriebene Held von A nach B kommt, wird auch in der dokumentarischen Nachbearbeitung nicht wirklich ersichtlich. "Hergé denkt eher fantastisch als rational", heißt es hierzu erklärend.

Überdies habe der junge Autor Hergé, ein von Abenteurern begeisterter Belgier, die Geschichte erstmals 1932 episodenweise in der wöchentlichen Zeitungsbeilage "Le Petit Vingtième" veröffentlicht - und bald schon selbst den Überblick über die Handlungszusammenhänge verloren. Einziger roter Faden: das Zeichen von Kih-Oskh, das vornehmlich auf Zigarrenbanderolen auftaucht. Eine geniale Idee.

Zugegeben: Der Erkenntniswert der Dokumentarreihe hält sich in Grenzen. Doch für Fans ist die retrospektive Odyssee ein Muss. Wie hier die Comicwelt die Realität des 21. Jahrhunderts überlagert und umgekehrt: Das ist einfach wahnsinnig liebevoll gemacht!

Am Dienstag geht es in der Dokumentarreihe nach China ("Der Blaue Lotus"), am Mittwoch gibt es Impressionen aus Marokko ("Die Krabbe mit den goldenen Scheren"). Am Donnerstag ist das Reiseziel "Der Sonnentempel" in Peru, und am Freitag geht es abschließend mit "Tim in Tibet" ins Himalayagebirge.

Globetrotter Tim und sein Foxterrier Struppi sind wahrlich herumgekommen in der Welt, und im kommenden Jahr schaffen sies sogar auf die Leinwand. Steven Spielberg hat mit Jamie Bell in der Titelrolle und 007-Darsteller Daniel Craig als Red Rackham "Das Geheimnis der Einhorn" verfilmt. Die Deutschlandpremiere ist für den 27. Oktober 2011 angekündigt. Ob der "Indiana Jones"-Regisseur den Charme der Vorlage bewahrt hat?

 

Gefunden auf :  Nordsee-zeitung  20.09.2010

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