Macht Euch auf nach Speyer.....

Veröffentlicht auf von Bembelo

.....das hat schon der olle Geheimrat Goethe gesagt (im Götz v.B.) und nie hatt er so recht wie heute resp. in den nächsten 3 Wochen, solange eben die Comic-Ausstellung läuft.

 

Gestern saßen wir noch auf glühenden Kohlen und warteten auf die Auslieferung unseres Kataloges, die dann auch, gerade rechtzeitig vor dem Kollaps, um 15.50 Uhr erfolgte  (ursprünglich war sie um 12.00 Uhr angekündigt, dann wurde uns mitgeteilt sie würde erst am Montag erfolgen und nach einigen Telefonaten mit der Druckerei wurde dann doch noch am Freitag ausgeliefert)

 

Aber als wir (Christian Schmidt-Neumann und meine Wenigkeit) den zusammen mit Clemens Ellert gestalteten Katalog dann gedruckt vor uns hatten viel dann doch ein Mittelgebirge von unseren Herzen und wir freuen uns auf die morgige Eröffnung.

 

In der heutigen Ausgabe der Tageszeitung "Die Rheinpfalz"  hat der Redakteur Peter Müller einen guten Artikel über unsere Ausstellung geschrieben (sogar auf der überregionalen Kulturseite veröffentlicht) den ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte:

 

Die neunte Kunst

Kunstverein Speyer zeigt ab morgen eine Zeitreise durch sechs Jahrzehnte Comics


Von Peter Müller


Comics werden speziell im französischen Sprachraum als „neunte Kunst” bezeichnet. Also sollten die Bildgeschichten auch für eine Ausstellung taugen, hat sich der Speyerer Kunstverein gedacht. Mit Unterstützung des Pfälzer Comic-Stammtisches und dreier privater Leihgeber ist jetzt eine kleine Zeitreise durch sechs Jahrzehnte Comics in Deutschland entstanden.


Über der Frage, ob das Kulturpublikum vielleicht die Nase rümpfen könnte angesichts vermeintlich trivialer Literatur als Ausstellungsgegenstand, darüber haben sich die Macher nicht lange den Kopf zerbrochen. „Das halten wir aus”, sagt Kunstverein-Vorstand Franz Dudenhöffer. Man lege Wert auf ein vielfältiges Angebot, seine Idee war es daher, im Kulturhof Flachsgasse einmal etwas zu zeigen, was auch jüngere Besucher ansprechen könnte. Und ist auf die Comics gekommen.


Schwieriger war dann schon die Frage, wie man Comic-Geschichte an die Wand bringt. Die Hefte und Alben sind ja dazu gedacht, sie in die Hand zu nehmen, durchzublättern, zu lesen. Unterstützung kam durch den Pfälzer Comic-Stammtisch. Hier treffen sich regelmäßig professionelle Vertreter der Branche und Freunde der „neunten Kunst”. Auf diesem Weg kam der Kontakt zu Sammlern zustande. Drei Privatleute steuerten 70 Originale bedeutender Künstler bei, überwiegend ganze Seiten aus verschiedensten Phasen der Produktion: Skizze, Vorzeichnung, getuschte oder colorierte Fassung.


„Wir haben versucht, repräsentative Vertreter aus den einzelnen Dekaden zu zeigen, um einen kleinen Ein- und Überblick zu geben”, sagt „Stammtischbruder” Christian Schmidt-Neumann. Zu jedem Jahrzehnt gibt es einen Überblick über wichtige Entwicklungen. Merchandising-Artikel sollen daneben demonstrieren, wie Comics den Alltag durchdrungen haben. Ein Katalog ist ebenfalls entstanden. Als Startpunkt dient das Jahr 1951, als das erste deutsche Micky-Maus-Heft erschien. Tatsächlich wurden Comics hier erst nach dem Zweiten Weltkrieg richtig populär, während sie in den USA mit Zeitungsstrips und Superhelden, aber auch in Frankreich und Belgien eine längere Tradition haben.


Zunächst erlaubt sich die Ausstellung bewusst einen zeitlichen Ausrutscher. Das erste Blatt zeigt eine Bildgeschichte von Erich Ohser oder e.o plauen. Seine Serie „Vater und Sohn” war zwar schon in den 1930er Jahren erfolgreich, aber er ist ein zu bekannter Künstler, um ihn zugunsten einer strikten Chronologie unter den Tisch fallen zu lassen. Dann aber sind wir mitten in den Fünfzigern und bei „Nick Knatterton”. Mit der Serie in der Zeitschrift „Quick” wollte sich Manfred Schmidt eigentlich über die primitiven Comics lustig machen, stattdessen trug sein Detektiv zum Erfolg des Mediums bei.


Deutsche Künstler sind ansonsten in der Unterzahl. An Hansrudi Wäscher („Sigurd”), einem frühen Comic-Pionier und Fließbandproduzenten, führt natürlich kein Weg vorbei. Gleiches gilt für Rolf Kauka („Fix & Foxi”), so etwas wie der Disney Deutschlands. Und am Ende finden sich auch aktuelle Vertreter der Zunft wie Ulf K., Reinhard Kleist oder Flix, der gerade in der FAZ einen tägliche Strip zeichnet.


Ein Glanzlicht der Ausstellung, wie Schmidt-Neumann meint, kommt unscheinbar daher: drei kleine Panels aus einem „Tim und Struppi”-Abenteuer von Hergé. Der Belgier gilt als Vater des europäischen Comics. Und seine Erben wachen mit Argusaugen über die Hinterlassenschaft, kaum Originale kommen in Umlauf. Fast noch restriktiver handhabt das Albert Uderzo, weshalb in Speyer keine „Asterix”-Zeichnungen zu finden sind, stattdessen eine Seite einer weniger bekannten Comicserie aus der Feder des Franzosen.


In den jüngeren Jahrzehnten begegnen wir Jean Giraud („Blueberry”), Franquin („Gaston”), Enki Bilal oder Jacques Tardi. Dazwischen immer wieder Disney-Figuren aus verschiedenen Epochen und Superhelden. Gleich mehrfach tauchen Werke von Will Eisner („Spirit”) auf, der in seiner späten Schaffensphase den Begriff der „graphic novel” prägte. Unter diesem Label werden heute anspruchsvollere Stoffe vermarktet, das ist in der Schau aber kein Thema. Auch die gerade bei Jugendlichen beliebten japanischen Manga werden nur am Rande abgehandelt. So dürfte vor allem Nostalgiker ihre Freude haben, die mit den gezeigten Comics groß wurden.


Termin


„Comic im Kunstverein”, Kulturhof Flachsgasse, Speyer, bis 4. Dezember, Di bis So 11-18 Uhr. Eröffnung am Sonntag, 11 Uhr. Eintritt frei

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