In Belgien sind Comics kein Kinderkram.......

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In Belgien sind Comics kein Kinderkram, sondern Kunst und Kult. Fünf Kunsthochschulen bieten einen Comic-Studiengang an.

  Comics werden in Belgien als Kunstform gehandelt.

 

 

 Sogar der 75 Jahre alte König Albert II. liest Comics, wie ein Palastsprecher hochoffiziell bestätigt. In Belgien sind die bunten Bildergeschichten kein Kinderkram, sondern Kunst und Kult. Tim und Struppi aus der Feder von Hergé gelten als Nationalhelden und die Comic-Branche mit ihren vielen Verlagen und Geschäften als wichtiger Wirtschaftszweig. Damit das so bleibt, wird der Nachwuchs gefördert: Comic ist ein Studienfach.

Im französischsprachigen Landesteil bieten fünf Kunsthochschulen einen Comic-Studiengang an. In Lüttich beispielsweise erwerben Studenten einen Master-Abschluss in plastischer, visueller und Raum-Kunst mit der Fachrichtung "Bande Dessinée", wie Comic auf Französisch heißt. Hinzu kommen Comic-Kurse, die in andere Studiengänge eingebettet sind, auch in Flandern. Die berühmteste und traditionsreichste Institution ist die Kunsthochschule Saint Luc in Brüssel.

Der Tiger im Café

Im Comic-Atelier von Saint Luc stehen große weiße Tische, darauf Blöcke und Stifte, Laptops, Flaschen und Zigarettenschachteln. Rund herum sitzen an einem Nachmittag 15 bis 20 junge Leute und ein Professor, die zeichnen und zeigen, plaudern, erklären und diskutieren.


Der 25-jährige Fabien Sant prüft durch runde Brillengläser seine Arbeit. Ein Bild ist ausgeführt, die übrigen sind noch einfarbige Skizzen. Ein Tier, vielleicht ein Tiger, sitzt im Straßencafé, sein Blick wandert in die Kaffeetasse und nimmt den Betrachter mit. Der Kaffee wirft Bläschen, aus denen sich Fenster formen; Bild für Bild baut sich eine Hochhaus-Fassade auf. "Ist das im Fluss?", fragt Sant und meint eine in Saint Luc oft gehörte Grundregel: Die Bilderfolge muss eine Erzählung ergeben. Realistisch muss sie sowenig sein wie ein Tiger im Café, aber: "Man muss die Intentionen des Autors klar ablesen können", sagt Professor Marc Sevrin.

 

Sevrin setzt sich mal hier- und mal dorthin, den Druckbleistift stets griffbereit im weißen Hemd. Er will den Blick schärfen fürs Erzählen. Darum verteilt er Aufgaben wie "Entwerft einen Comic mit einem Tier als Hauptfigur, das unter einer Phobie leidet" und bespricht dann Geschichten wie die vom Tiger, dem die Hochhaus-Angst aus dem Kaffee entgegensteigt. "Es geht darum, Geschichten wie Romane zu erzählen", sagt die Hamburgerin Sylvie Ringer, die 2007 in Saint Luc ein Austauschsemester absolvierte.

Hinzu kommt die Technik. "Wenn eine Hand nicht 100-prozentig gezeichnet ist, musste man es nochmal machen", erinnert sich Ringer. Dem Handwerk dienen klassische Zeichenstunden mit Akt-Modellen. An Kursen der Kunstgeschichte und Meistern wie Rembrandt oder Peter Paul Rubens kommen die Comic-Studenten ebenfalls nicht vorbei.

Kein sehr lohnendes Metier

Junge Leute aus halb Europa und darüber hinaus klopften seit der Etablierung des Fachs Ende der 1960er Jahre an die Tore von Saint Luc, sagt die Leitung. Von etwa sechzig Kandidaten im Jahr habe in den vergangenen Jahren jeweils rund die Hälfte Aufnahme gefunden.

Das Comic-Zeichnen ist die Leidenschaft der jungen Zeichner, auch wenn diese keine Garantie für ein ausreichendes Auskommen ist. "Es ist kein sehr lohnendes Metier", urteilt die 20-jährige Fanny de Pierpont. Ihre Wahl hätte der Mutter darum wohl "ein bisschen Angst gemacht". Szene-Kenner verweisen auf die große Konkurrenz auf dem Markt und niedrige Honorare. Andererseits bietet die Ausbildung Chancen auch in Bereichen wie Werbegrafik, Trickfilm oder Kinderbücher.

François Schuiten, früher Schüler und dann Lehrer in Saint Luc, hat es geschafft. Die von ihm mitgeschaffene Serie "Die geheimnisvollen Städte" ist ein Bestseller, preisgekrönt und auch ins Deutsche übersetzt. Kritiker entdeckten in seinen Comics Einflüsse italienischer Maler des 18. Jahrhunderts und des Schriftstellers Franz Kafka. König Albert II. hat Schuiten sogar zum Baron gemacht - kein Wunder im Comic-Reich Belgien.

Comic studieren in Österreich

Auch in Wien gibt es die Möglichkeit, ein Studium "Comic und Animation" zu belegen. Die Wiener Kunstschule ist eine Aus- und Weiterbildungsstätte für die bildenden und angewandten Künste und bietet in acht Semester langen Studien neben den Studienzweigen "Bildhauerei", "Graphik", "Graphik Design" oder "Design und Raum" auch das Studium "Comic und Animation" an, nähere Infos findest Du beim Link unten.



gefunden auf:   http://kurier.at/kult/1986237.php            Artikel vom 15.03.2010 12:09 | APA | MH

Veröffentlicht in Sammelsurium vom Allerfeinsten

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