Hessen sammelt - Ein Bericht aus Dietzenbach

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Aufstieg zur Kunst

Dietzenbach ‐ „Durch das Sammeln holt man sich seine Kindheit und Jugend zurück“, ist Comic-Liebhaber Rainer Vornberger überzeugt. Von Carolin Henneberg

© Henneberg

Die vielen lustigen Bildergeschichten sind zu ihrer Leidenschaft geworden.

Schon in seiner Kindheit war der Dietzenbacher den lustigen, bunten Bildergeschichten verfallen, wobei er sich gut überlegen musste, was für ein Heftchen er sich kauft, denn ein Micky-Maus-Comic kostete seinerzeit, um 1950 herum, 75 Pfennig. Zum Vergleich: Eine Kugel Eis war schon für zehn Pfennig zu haben.

Doch die Kosten schreckten den jungen Vornberger nicht – und so kann er durchaus als ein Pionier der Szene bezeichnet werden. Immerhin kämpfte er gegen den schlechten Ruf der Comic-Hefte an, galten sie doch in den 50er Jahren noch als „Verdummung der Jugend“ und wurden teilweise sogar verbrannt. Nachdem seine Mutter viele der fleißig gehorteten Comics in den Müll verbannt hatte, feierte Vornberger in den 70er Jahren dann auch das Comeback seiner Sammelleidenschaft.

 

Nur wenige Jahre zuvor hatten die einst verteufelten Geschichten wieder Einzug in die Läden gefunden. Nachdrucke der verbrannten Heftchen erschienen, und die Szene wurde größer. Leider gilt der Comic hierzulande aber auch heute noch nicht als Literatur oder Kunstform, während ihm in unseren Nachbarländern Frankreich und Belgien ein sehr viel höherer Stellenwert zugedacht wird. Auch Vornberger und seine Lebensgefährtin, Ulrike Rzeha, die ihm in Sachen Sammelfieber in nichts nachsteht, sehen das Künstlerische in den Bildergeschichten. Ulrike Rzeha ist eine der wenigen Frauen in der Szene und somit fast schon bekannt wie ein bunter Hund. Warum es mehr männliche als weibliche Comicsammler gibt, liegt wohl einfach daran, „dass Mädchen oder auch Frauen doch eher zum Buch als zum Comic greifen“, meint sie.

© Henneberg

Ein imposantes Sammelsurium an Comics haben Rainer Vornberger und Ulrike Rzeha zusammengetragen.

 Beide haben über die Jahre einen imposanten Bestand gesammelt. „Wenn man ein bestimmtes Heft haben will, muss man eben manchmal auch zwei Kisten kaufen“, erläutert Vornberger, der mittlerweile fast 15 000 Exemplare besitzt, die auf jährlichen Comic-Börsen unter die Liebhaber gebracht werden. „So wird jeder Sammler auch zum Händler.“ Und so sind seine Hefte sogar schon nach Japan, Thailand oder Litauen gegangen. Der finanzielle Aspekt ist dabei auch nicht zu verachten, bringt etwa die erste Ausgabe des deutschen Supermann-Heftes doch ganze 13 000 Euro. In Amerika gibt’s dafür die unglaubliche Summe von einer Million Dollar.

Fälscher geben Nachdrucke als Originale aus

Beim Comic-Salon in Erlangen trifft sich die Sammel-Prominenz, die vom Handwerker bis hin zu Spitzenpolitikern wie Peer Steinbrück reicht. Auch Auktionen gibt es, bei denen schon mal deutlich mehr als 2 000 Positionen unter den Hammer kommen. Der Großteil des Geschäftes läuft aber mittlerweile über das Internet. Auf interaktiven Marktplätzen wie E-Bay lässt sich manches Stück finden.

Aber auch Fälscher treiben in der Comic-Branche ihr Unwesen, indem sie zum Beispiel Nachdrucke als Originale ausgeben. In den Zeiten, bevor das Internet die Oberhand hatte, gestaltete sich das Auftreiben des begehrten Objektes schwieriger. Für das Auffinden einer Weinflasche, bei welcher das Etikett das Wesentliche war, brauchte Vornberger zwölf Jahre. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn weltweit sind nur 30 Stück produziert worden. Auch ein Angebot von 5.000 Euro konnte ihm die Flasche nicht wieder entlocken.

Besonderes Interesse haben die beiden Sammler an Stücken aller Art ihres Lieblingskünstlers Yves Chaland aus Frankreich, der als Nachfolger des „Tim und Struppi“-Erfinders Hergé gehandelt wird. Beide Künstler vertraten beziehungsweise vertreten immer noch den Zeichenstil der „Ligne Claire“ (klare Linie), der sich, ähnlich der Pop-Art-Kunst, durch schwarze Umrandung der einzelnen Objekte auszeichnet. Von Chaland ist im Hause Vornberger-Rzeha so gut wie alles vorhanden. Aber für einen Sammler endet die Suche ja nie. Die Frage, ob auch Geschenke dazu dienen, die Sammlung zu komplettieren, verneint Ulrike Rzeha: „Der Sammler sucht und entscheidet selbst, was in die Sammlung soll. Das kann kein anderer entscheiden.“

Auf jeden Fall Micky Maus, Batman und Superman

Wie viele Comics, Figuren, Originaldrucke und sonstige Errungenschaften die Dachwohnung inklusive Dachboden mittlerweile beherbergt, können beide nicht genau sagen „aber trotzdem kenne ich jedes Teil, das ich habe“, sagt der Comic-Liebhaber. Was in jede Standardsammlung gehört, lässt sich leicht beantworten: „Auf jeden Fall Micky Maus, Superhelden-Comics wie Batman und Superman, dann Lucky Luke, Tim und Struppi und natürlich Asterix und Obelix.“

 Das Paar wünscht sich, dass der Comic nicht aus der Literaturlandschaft verschwindet und auch weiterhin der Jugend zugänglich bleibt. Fest steht auf jeden Fall, dass beide fleißig weiter sammeln werden, denn, „wenn ein Sammler etwas endlich komplett hat, ist er nicht etwa fertig, sondern wendet sich einer neuen Aufgabe zu“.

Gefunden:  http://www.op-online.de/nachrichten/dietzenbach/aufstieg-kunst-703671.html     da gibts auch noch eine schöne Fotostrecke

Veröffentlicht in Ausstellungen u.ä.

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