Geschockt von Tim und Struppi

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Belgien

Geschockt von Tim und Struppi

Wenn die Comic-Figuren Tim und Struppi in ein neues Wagnis stolpern, schauen Millionen zu. Jetzt gibt es schwere Vorwürfe.

HANNA ROTH

Brüssel Rund 200 Millionen Alben aus der Feder des belgischen Comic-Zeichners Hergé wurden bisher weltweit verkauft. Doch mit einem Abenteuer - "Tim im Kongo" - könnte es bald vorbei sein: Ein Kongolese will den Band verbieten lassen. Der Comic sei rassistisch und zeichne ein entwürdigendes Bild von Schwarzen, so der Kläger. Morgen fällt in Brüssel das Urteil.

Obwohl Hergé vor fast 30 Jahren starb, ist er in Belgien noch immer ein gefeierter Volksheld. Sein berühmtestes Figuren-Duo: Tintin und Milou, wie Tim und Struppi im französischen Original heißen. Dass ausgerechnet Hergé oder vielmehr eines seiner Werke nun im eigenen Land vor Gericht steht, sorgt in Belgien für Wirbel.

Seit 1931 wird der Band "Tim im Kongo" verkauft. Bienvenu Mbutu, der seit vielen Jahren in Belgien lebt, findet, dass der Comic ein "schockierendes und diffamierendes Bild" seiner Landsleute zeichnet. Tatsächlich ist Hergé beim Entwurf seiner Figuren nicht gerade zimperlich gewesen. Während seine Helden Tim und Struppi mit Cleverness jedes Problem lösen, erscheinen die Eingeborenen als dumm und naiv. Selbst der Hund spricht ein besseres Französisch als die Kongolesen.

Dabei handelt es sich bei dem Streitobjekt bereits um eine neu gefasste Version. Das Original, das Hergé 1946 überarbeitete, kam noch kolonialistischer daher. In der zweiten Auflage fehlen nun alle Hinweise darauf, dass der Kongo zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung 1930 eine belgische Kolonie war. Diese Selbstzensur ist Kritikern wie Mbutu jedoch nicht genug. In Großbritannien und den USA wurde "Tim im Kongo" erst 2005 veröffentlicht - unter der Auflage, dass erläuternde Hinweise zum geschichtlichen Hintergrund im Vorwort stehen müssen. Auch die deutsche Ausgabe ist entschärft. So fehlt hierzulande eine Szene, in der Tim ein Nashorn in die Luft sprengt.

Mbutu musste indes erfahren, dass es die belgische Justiz in dem Fall nicht besonders eilig hat. Bereits 2007 hat er Klage eingereicht - ohne dass sich die Justiz gerührt hätte. Wird das Album jetzt nicht verboten, will Mbutu vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen.

 

http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/ueberregional/politik_artikel,-Geschockt-von-Tim-und-Struppi-_arid,99753.html

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