Die Kirche entdeckt den Comic: "Comic entdeckt Religion"

Veröffentlicht auf von Bembelo

Comic entdeckt Religion


Christliche Comics

Die Nacht ist hereingebrochen über Golgata, Regen peitscht über den geschundenen Körper am Kreuz. Doch der ans Holz genagelte Mann ist nicht Jesus, sondern sein Zwillingsbruder Thomas. Der Messias hat seine Kreuzigung dank eines Rollentauschs überlebt und wird erst Jahre später an einem geheimen Ort begraben.

Dieses Szenario ist Ausgangspunkt der siebenteiligen Comicserie "Das Geheime Dreieck", in der gleich mehrere Geheimgesellschaften mit Vertretern der katholischen Kirche um den Fundort des verschollenen Grabes wetteifern. Ähnlich wie der umstrittene Erfolgsschreiber Dan Brown verwebt der französische Comicautor Didier Convard Fiktion und historische Fakten zu einer Geschichte, die an den hohen Kirchenvertretern nur wenig Gutes lässt: Um ihre Institution zu schützen, schrecken die Geistlichen in Convards Erzählung nicht einmal vor Mord zurück.

Während von der Kirche in Auftrag gegebene Comics in der Regel dazu dienen, einem jungen Publikum die Botschaften der Bibel werktreu zu vermitteln, gehen säkulare Comics einen Schritt weiter: "Comics zeigen und erzählen nicht nur Religion, sondern argumentieren und debattieren, kritisieren und experimentieren", erklärt der Baseler Religionswissenschaftler Jürgen Mohn.

Kurz gesagt: Die Bildergeschichten sind längst ihren bunten Kinderschuhen entwachsen und transportieren handfeste Kirchenkritik, die nicht selten in Form beißender Satire daherkommt. Wenn der bekennende Atheist Ralf König in seinen religionskritischen Zeichnungen die Schöpfungsgeschichte neu interpretiert oder Noah als religiösen Fanatiker brandmarkt, klingt das erst einmal nach starkem Tobak. Allerdings ist Königs Gott zumindest in letzterer Geschichte ein gnädiger: Er täuscht die Sintflut nur vor, um Noah den Wert der Schöpfung vor Augen zu führen.

Abgesehen von den bisweilen recht abenteuerlichen Verschwörungstheorien schlägt mancher religiöse Comic einen durchaus ernsthaften und nachdenklichen Ton an. Dass gerade in der Sprache der Bilder die Chance liegt, tabuisierten Themen und Emotionen ein Gesicht zu verleihen, hat der Autor Art Spiegelmann bereits Mitte der 1980er Jahre bewiesen. Damals verarbeitete der jüdische Zeichner die Holocaust-Leidensgeschichte seines Vaters in Form einer Tierparabel – und erhielt dafür den Pulitzerpreis.

"Warum ich Pater Pierre getötet habe", das Gemeinschaftswerk von Alfred und Oliver Ka, ist ähnlich autobiografisch angelegt. Äußerlich kommt die Bildererzählung als Kinderbuch daher – doch der Eindruck von Unschuld täuscht. Auf 112 Seiten versucht der französische Autor, seine Missbrauchserfahrungen als zwölfjähriger Junge mit einem katholischen Pater in Wort und Bild zu fassen. So beteiligt sich der Comic, obwohl bereits 2006 in Frankreich erschienen, auf sehr einfühlsame Weise an der gegenwärtigen Missbrauchsdebatte.

 

Den Artikel habe ich auf der Seite des Bistums Osnabrück gefunden

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