Christophe Blain GUS 2 Rezension

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Comic-Besprechung - Gus 2: Schöner Bandit

Geschichten:
Peggy, Adios, Triumph, Inger Lutz, The Famous Outlaws & Gunfighters of the West, Frisco, Bank of California, Schöner Bandit
Autor/Zeichner: Christophe Blain, Coloristen: Alexandre Chenet, Christophe Blain & Walter


Story:
Aus Liebe zu einer Bankangestellten begeht Gus einen ersten Diebstahl. Mit dem erbeuteten Geld nimmt er an einem Pokerspiel teil, um seinen Gewinn zu vermehren und bei der Angebeteten persönlich ein Bankkonto eröffnen zu können. Den größten Ärger jedoch zieht Clem auf sich, der Raubüberfälle ohne Unterlass begehen muss, um seine Mätresse und seine Familie gleichermaßen mit dem Nötigsten zu versorgen.

Meinung:

Im Vergleich mit seinen anderen Arbeiten wie Isaak der Pirat (Reprodukt) schlägt Christophe Blain in Gus einen leichteren Ton an. Im zweiten Band entführt Blain den Leser erneut in den Wilden Westen. In kurzen Episoden erzählt er in „Schöner Bandit“ wieder von den schrägen Abenteuern von Clem, Gratt und Gus – von ihrer Freundschaft, ihren Streitereien und vor allem von ihren erfüllten oder misslungenen Abenteuern mit Frauen.

Sexuelle Energie ist überhaupt die Antriebsfeder der drei Helden und das Leitmotiv der Serie. Durch die ungewöhnlichen und sympathischen Charaktere seiner Protagonisten gelingt es Blain auf der einen Seite zwar das klassische Genre des frankobelgischen Westerncomics um eine Facette zu erweitern. Doch auf der anderen Seite droht die sexuelle Überbetonung mit der Zeit dann wiederum etwas eintönig zu werden. Was außerdem fehlt sind neben der gelungenen zwanglosen und amüsanten Grundstimmung ein paar saftige Pointen, die für richtige Lacher sorgen. So droht die Gefahr, das die leicht-beschwingte Atmosphäre ein wenig vor sich hinplätschert.

Christophe Blains Zeichnungen konzentrieren sich in Gus aufs Wesentliche: das heißt vor allem auf die Charaktere, ihre Gestik und ihre Mimik. Durch die Reduzierung seiner Grafik bleibt letztendlich mehr Raum für das Spiel mit seinen Figuren. Auch die Kolorierung ist einfach – flächig, manchmal in unnatürlichen Farbtönen. Augenfällig ist im grafischen Bereich bei Blain sicherlich auch die Verwendung der lautmalerischen Stilmittel, die er bis zum äußersten treibt.

Damit ähnelt er nicht nur in erzählerischer, sondern auch in grafischer Hinsicht stark an Joann Sfar (Die Katze des Rabbiners, avant-verlag), mit dem er bei der Donjon-Serie (Reprodukt) tatsächlich auch schon zusammengearbeitet hat. Beide repräsentieren den neuen franko-belgischen Comickünstlertyp, der die Erzählung in den Vordergrund rückt und auf die ansonsten szenetypisch ausgefeilten, realistischen und detailreichen Zeichnungen verzichtet. Nicht selten verbinden diese Autoren und Zeichner literarische Erzählkunst mit schwarzem Humor und philosophische Dialoge mit einer derben Direktheit.



Fazit:
Der zweite Gus-Band ist wie Blains Hop-Frog Aufstand (Epsilon) zuvor ein heiter-beschwingter (Anti-)Western – zugleich Parodie als auch indirekte Hommage auf das Genre –, wobei er aufgrund kleiner Mängel nicht an die erwähnte geniale Zusammenarbeit mit David B. (Das bleiche Pferd, Reprodukt) heranreicht. Wer zwischen Lucky Luke und Blueberry einen weiteren franko-belgischen Western lesen will oder nach Hop-Frog Aufstand noch nicht genug hat, ist mit diesem Semi-Funny-Western bestens bedient.

 

 

gefunden:  http://www.splashcomics.de/php/rezensionen/rezension/11434/gus_2_schoener_bandit

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