60 Jahre Micky Maus

Veröffentlicht auf von Bembelo

Einen sehr angenehmen Artikel zum deutschen Jubiläum des berühmtesten Maus-Magazins Deutschlands habe ich auf der Onlinepräsenz der "Märkische Allgemeine" gefunden.  Lesenswert !

  

Einstiegsdroge Entenhausen

 

von Eva-Maria Träger

Vor 60 Jahren erschien in Westdeutschland das

erste „Micky Maus“-Magazin

POTSDAM - Eigentlich ist er ein ziemlich spießiger Geselle, dieser Mäuserich. Er ward nie unzufrieden gesehen oder gar fuchsteufelswild, er hat nie an seinem Leben gezweifelt, nie mit seiner Freundin Minni gestritten, oder gar erwogen aus Entenhausen wegzuziehen. Nein, diese Maus weiß genau, wohin sie gehört, und sie kann froh sein, dass ihr Schöpfer Walt Disney ihr wenigstens einen flotten Namen gab und nicht das verstaubte „Mortimer“ wählte, wie er es offenbar ursprünglich vorhatte.

Mortimer, die Maus? Nein, das wäre keine solche amerikanische Erfolgsgeschichte geworden wie sie Micky Maus schrieb. Schon zwei Jahre nach ihrem ersten Erscheinen in den USA lernten auch die Deutschen das Ohrentier kennen, allerdings nur in einem Comicstrip in der „Kölnischen Illustrierten Zeitung“, wie der hierzulande verantwortliche Verlag Ehapa in seiner Mausgeschichte schreibt.

Regelmäßig sollte Micky seinen Lesern in der Bundesrepublik erst ab dem 29. August 1951 begegnen. An jenem Tag vor heute 60 Jahren erschien zum ersten Mal das 75 Pfennige teure, nach Micky benannte Magazin – das seitdem nur allzu oft Donald Duck auf dem Titel trug, den zweiten prominenten Helden des Heftes.

Wer in Westdeutschland aufwuchs, für den gehörten diese seit 1957 wöchentlich erscheinenden Comics zur Pflichtlektüre, zumindest in Grundschulzeiten. „Ächz!“, „Stöhn!“, „Fähnlein Fieselschweif“ – die Geschichten aus Entenhausen waren die Einstiegsdroge für spätere Leidenschaften, von „Snoopy & die Peanuts“ zu „Spirou und Fantasio“, über „Garfield“, „Prinz Eisenherz“ und „Tim und Struppi“ zu „Gaston“.

 

Natürlich förderten die Eltern solcherlei Lektüre nur bedingt, man musste sparen zur Erfüllung dieser Sehnsüchte, das Taschengeld eisern zusammenhalten, den Kaugummiautomaten auf dem Schulweg widerstehen, um sich ein aktuelles Heft leisten zu können. Eines mit quietschend glattem Papier. Wer nicht stark genug gewesen war, sah sich stattdessen in den abgelegten, langsam zerbröselnden Ausgaben blättern, die einem ältere, sich erwachsen fühlende Geschwister, Cousins und Cousinen gönnerhaft überlassen hatten.

Die „Micky-Maus“-Hefte wurden über Generationen weitergereicht, genau wie das monatliche „Lustige Taschenbuch“, die Geschichten von „Fix und Foxi“ und jene aus dem „Yps“. Nur die beiliegenden Extras behielt der glückliche erste Besitzer für sich. Man konnte ja nie genug Detektiv-Sets haben!

 

In der DDR indes waren die Geschichten von den schlauen Mäusen und cholerischen Enten verboten. Wer in den Heften stöbern wollte, musste, falls vorhanden, auf die Westverwandschaft hoffen – oder auf eine Reise nach Ungarn, wo Westprodukte und -zeitungen teils erhältlich waren.

Es war der Lebenswandel dieser Tiere, der den Staatlichen als wenig vorbildlich erschien, anders als jener der hierzulande beliebten „Digedags“. Nicht nur bei dem hemmungslos in Goldtalern badenden Dagobert Duck vermutete man das kapitalistische Gedankengut, das man den Bürgern, auch den kleinen, austreiben wollte.

Erst nach der Wende führten auch die Kioske im Osten die Maus. Am Freitag ist das Heft zum Jubiläum erschienen, Nummer 2906. Mit „Mortimer“ wäre es sicherlich nie soweit gekommen.

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